Der „moralische Triathlon“: 2te Etappe
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  • 05.06. Coelbe – Marburg

    Geschrieben am August 4th, 2009 Heinz Keine Kommentare

    Bis zu acht Stunden schwimmen, Anfahrt von drei/vier Stunden, Auf- und Abbau, Soundcheck, Konzerte: es ist für Heinz schwierig, bei einem solchen straffen Zeitplan noch Zeit für das Tagebuch zu finden. Wir bitten um Geduld: die Berichte folgen so schnell wie möglich!!

    Als ich gegen 14 Uhr in die Lahn steige, weiß ich endlich, warum Ann gestern immer wieder sorgenvoll das Wort “Bodenfrost” zwischen den Lippen führte. Ich dachte ja, sie mache sich Sorgen um ihre frisch gepflanzten Radieschen und ihre rote Beete, aber jetzt begreife ich: das Wasser eines Flusses, der durch eine von Bodenfrost erschütterte Umgebung fließt, ist alles andere als ein Wellness-Saunagewässerchen – ist vielmehr auch erschütternd – erschütternd kalt nämlich. Zum ersten Mal schwimme ich mit Handschuhen und Stiefeln. Ach ja: schwimmen?
    Zumindest die ersten 1000 Meter kann man das nicht so nennen: die Lahn ist teilweise nur knietief und ich entwickle einen neunen Kraulstil, indem ich die Arme gleich nach dem Eintauchen seitlich am Körper vorbeiziehe. Das versetzt zwar den Restrumpf in ein sonderbares Gewackel, und Ann und Ingo, die im Begleitkanu neben mir her paddeln, haben ihren Spaß damit, aber man kommt immerhin vorwärts. Dann beginnt die aufgestaute Strecke, mit dem positiven Nebeneffekt, daß ich wieder normal kraulen kann. Das Wasser der Lahn ist frisch, sauber, winterlich – ich wähle der Kälte wegen (und weil wir wieder mal verspätet sind) ein hohes Tempo, merke, daß mir die Anstrengungen von gestern nicht mehr in den Knochen sitzen, fühle mich topfit und als unterwegs noch zwei Ruderboote und eine Handvoll DLRG-Schwimmer dazustoßen, schütteln wir nur kurz die Hände und mich packt sogar der sportliche Ehrgeiz, mich von diesen Schwimm-Hühnen nicht abhängen zu lassen. Ob nun in der Lahn verbotenerweise Anabolika versenkt wurden, oder ob auf Julikinder die Uranus-Mond-Komponente heute besonders wirkt, oder obs an der Höflichkeit der DLRG-Schwimmer liegt: ich komme als erster ans Ziel, mit dem hervorragenden Gefühl, Männer mit doppeltem Brustumfang weit hinter mir gelassen zu haben.
    Am Ziel Bratwurststand, ein sehr nettes Team von BUND, der hier wichtige und sehr gute Arbeit leistet, dann Claudio, der uns ins Cafe Trauma fährt, dann rascher Soundcheck, lecker Essen, ein best gelaunter Ingo Pohlmann, der heute unser Gast ist, rund hundert zuschauer, nettes Tresenpersonal, gute Tontechnik – und nachts eine Super-WG, die uns aufnimmt und verwöhnt – was wünscht sich ein Flußforscherherz mehr? Und auch meine Mitmusiker sind glücklich: die Zuschauer tanzen, hören zu – und der Abschlußblick auf die Spendenente: 407.- Euro befinden sich dort.

  • 04.06. Wasserbillig – Trier

    Geschrieben am August 3rd, 2009 Heinz Keine Kommentare

    Bis zu acht Stunden schwimmen, Anfahrt von drei/vier Stunden, Auf- und Abbau, Soundcheck, Konzerte: es ist für Heinz schwierig, bei einem solchen straffen Zeitplan noch Zeit für das Tagebuch zu finden. Wir bitten um Geduld: die Berichte folgen so schnell wie möglich!!

    Mosel

    Trier wird lang und schön – so dachte ich. Trier wurde sehr lang und sehr schön und sehr anstrengend. Wir gehen kurz hinter der Sauer-Mündung ins Wasser – und, wie gestern auch: von Strömung merkt man nicht viel, das Wasser ruht, es herrscht Gegenwind, vom ersten Schwimmzug an ist klar: es wird kein Zuckerschlecken. Glücklicherweise ist der Schiffsverkehr nur sehr spärlich, so muß ich nicht am Ufer, sondern kann mittig schwimmen und ab dem Zusammenfluß mit der Saar steigt zwar die Wasserverschmutzung deutlich, aber es steigt auch die Wassertemperatur. Ich schwimme daher wieder rechts-moselisch, schwimme so doll ich kann – aber der Gegenwind läßt nicht nach und die Strömung nimmt nicht zu – wir verlieren Zeit, schaffen kaum 2 Kilometer in der Stunde. Ich erinnere mich an den Spruch einer Bekannten: uh – in der Mosel würde ich nie schwimmen. Wer weiß, was die Franzosen da alles hineinkippen! Nach meinem Empfinden, war der Main eindeutig schmutziger (und der fließt ausschließlich durch Deutschland). Jedenfalls: die Mosel überrascht durch plötzliche Untiefen – aber auch durch Sandbänke und flache Stellen, zuweilen schleift mein Bauch über Kieselsteinchen – kleine Streicheleinheiten, Reikimassage. Irgandwann verschwimme ich mich sogar und muß den toten Arm wieder zurück. Und dann liegt das Exhaus auch nicht gerade in Trier-Süd und die markanten roten Felsen sind zwar tierisch trierisch, aber von da aus ist es nochmal gut eine Schwimmstunde bei diesem Wind. — Endlich hören wir Trommeln, die gelten sicher uns – und dann muß ich den mechanisch weiterrudernden Armen drei mal Stopp befehlen – wir sind da! Toller Empfang! Trommelnde Musiker! Zupackende Strom&Wasser-Liebhaber, staunende Studentinnen – und ein doch ganz schön mitgenommener Hauptdarsteller, der sich triefend und mit Algenresten auf der Schwimmbrille in Richtung Bühne bewegt.
    Wie das Konzert war? Gut, glaub ich. Wild, glaub ich. verrückt – weiß ich. Die Stimmung war jedenfalls klasse – und da Ann in Erfahrung gebracht hat, daß die Lahn morgen stark Niedrigwasser hat und ich daher nur die die Hälfte der geplanten Strecke schwimmen kann, feiern wir auch noch gut, bis 3 Uhr morgens.
    Mit den Zuschüssen der Asta Trier (300.-) und des Trierer Oberbürgermeisters (200.-) – vielen Dank dafür! – landen in Trier 727.- Euro in der Spendenente!

    Mosel 2

  • 03.06. Güdingen – Saarbrücken

    Geschrieben am August 1st, 2009 Heinz Keine Kommentare

    Bis zu acht Stunden schwimmen, Anfahrt von drei/vier Stunden, Auf- und Abbau, Soundcheck, Konzerte: es ist für Heinz schwierig, bei einem solchen straffen Zeitplan noch Zeit für das Tagebuch zu finden. Wir bitten um Geduld: die Berichte folgen so schnell wie möglich!!

    Heinz in SaarbrückenAls ich um 8 Uhr morgens aufbreche, um Ann am Mainzer Bahnhof aufzusammeln, habe ich zwei strapaziöse Tage hinter mir: ADAC-Abschleppdienst hin, Mercedeswerksatt her, Miet-Ersatzwagen hin, Bodo Wartke in Frankfurt treffen her, Bass liegenlassen hin, Krankheitsfälle her, Ärzte hin – und so startet der Tag auch mit einem entsprechenden her und hin: erst Ann abholen, dann Bass abholen, dann Bus abholen (mit neuem Getriebe – hurra!), dann Mietwagen abgeben, dann – endlich – Aufbruch nach Saarbrücken. Gut, daß Ann sich etwas Zeit freigeschaufelt hat, sonst hätte ich heute ohne Begleitboot schwimmen müssen, da Linn für ein paar Tage zurück in die nordische Heimat mußte. Durch die Autotauscherei und Bassabholerei müssen wir die Strecke etwas kürzen, knappe 5 Kilometer fallen weg. Der Schleusenwärter an der Saar tut ein übriges, um die Zeit zu dehnen: wat? Das Auto da parken? Verboten! Wat? Mit dem Kanu in die Saar? Verboten! Wat? Schwimmen? Verboten! Wat? Widersprechen? Verboten! – Ich tue das einzig Richtige, was ein Poltergeist in so einem Augenblick tun kann: ich ziehe mich zurück und ziehe mich um und ziehe vor, ein Ziehharmonikasolo zu pfeifen und auf Anns Charme zu vertrauen. Als ich zurückkomme, hat sie den Mann butterweich gelächelt. Wir dürfen alles! Presse taucht auf, fragt und fotografiert und die Saar ist nur mittelkalt, fließt nicht und das wird sich bis Saarbrücken nicht ändern. Und wie so oft, wenn die Flüsse ohne Strömung sind, pfeift der Wind von vorne und sorgt für Gegenströmung. Und Zeit für eine Pause haben wir gar nicht mehr!
    Na gut. Nicht meckern. Schwimmen! Ich schmecke und rieche gleich: der Saar gehts nicht gut. Bald die ersten Fische – treiben tot auf der Wasseroberfläche. Es ist ein anstrengendes Schwimmen in einem Fluss, der gerne klein und quirlig fließen würde, denn man aber für die Schifffahrt groß aufpumpte und seiner Lebendigkeit beraubte.
    Die letzten drei Kilometer stößt noch ein Mitschwimmer zu uns: George, ein in Saarbrücken bekannter Rapper und Radiomoderator, der mit kühnem Köpper in die Saar springt und in den zweifelhaften Genuß des Gegenwindschwimmens kommt – eine unpopuläre Sportart aus dem Jahre 2009!
    Als wir, deutlich zu früh, am Saarstrand ankommen, der den romantischen Namen Potatoe-Beach trägt, werden wir von ein paar Hiphop- und Kong-fu-Kids, von unseren Freunden Carsten und Andrea, die unsere Webseite betreuen und von der BUND-Ortsgruppe empfangen. Hier auch ein Musikerwechsel: Claudio kommt aus Karlsruhe, Ingo aus Hamburg.
    Und der Veranstalter hat sich darauf verlassen, daß die BUND-Ortsgruppe wirbt und die BUND-Ortsgruppe hat sich auf den Veranstalter verlassen. Und bei so hervorragender Zusammenarbeit kommen wir abends auf 8 Zuschauer und 94.- Euro Spenden.

  • 31.05. Mainz – Open Ohr

    Geschrieben am Juli 10th, 2009 Heinz Keine Kommentare

    Bis zu acht Stunden schwimmen, Anfahrt von drei/vier Stunden, Auf- und Abbau, Soundcheck, Konzerte: es ist für Heinz schwierig, bei einem solchen straffen Zeitplan noch Zeit für das Tagebuch zu finden. Wir bitten um Geduld: die Berichte folgen so schnell wie möglich!!

    Flussprojekt: Mainz
    Am frühen Morgen die Überlegung, ob das Schwimmen machbar ist. 8 km im Main waren geplant, bis zur Mündung in Wiesbaden. Wenn wir gleich losfahren, ohne Frühstück, 7 Uhr – sind wir um 8.30 Uhr da – 2 Stunden Schwimmen – 10.30 Uhr – um 11 Uhr ist Soundcheck – aber wer bleibt beim Kanu, wer holt es ab, was ist mit dem ganzen Equipment im Bus? – und: die Mainmündung ist eine gute halbe Stunde vom Open Ohr entfernt – tausend Varianten, keine richtige Lösung. Außer: wir hätten um 4 Uhr losfahren sollen. Schweren Herzens sage ich das Schwimmen ab – unser großes Glück! Denn der Bus schafft es gerade noch aufs Open-Ohr-Gelände, dann bricht er atemlos zusammen. Längst schon haben alle Gänge bis auf den dritten schlapp gemacht – er tuckert, tuckert – und ausgerechnet zwischen den ganzen Bio-Ständen, Räucherstäbchen- und Kristallkugelbuden, zwischen Nepalklamotten, äthiopischer Haarflechtkunst und asiatischen Thaimassagen bricht er zusammen, und wie er so ist, Linns Bus, nebelt er dabei alles in eine gigantische Benzolwolke ein, die sich unbarmherzig über alle Wohlgerüche legt. Nicht übel, wie die entspannten Standbesitzer plötzlich schimpfen können! Hektisch laden wir aus, suchen Helfer – bald wimmelt ein Ameisenhaufen von hilfsbereiten Mitarbeitern und Strom&Wasser-Freunden um uns herum, trägt alles aus dem Bus zur Bühne, hilft, den kollabierten Bus in die Ecke zu schieben, dann, weiter! – weiter! –Soundcheck – Konzert! Macht Spaß: 12 Uhr Mittags auf der schönsten Festivalbühne am Drusenstein – rund 1000 Leute hören zu, viele tanzen, prima Stimmung – wir spielen die letzten Takte, gleich werde ich Spenden sammeln – aber dann bricht ein Sturm an fragewütigen Reportern & Radioleuten & Fans über uns herein und auch der restlichen Crew geht es so. Bis wir mit der anwesenden BUND-Ortsgruppe abgesprochen haben, daß sie die Spenden sammeln müssen, bis wir überhaupt bei dem Riesenandrang von Fragenden die Spendensammel-Enten und –büchsen weitergereicht haben – und dann das weitläufige Gelände – es ist wirklich nicht leicht, bei Open-Air zu sammeln. Am Ende können wir, mit dem Unkostenbeitrag des Veranstalters, 604.- Euro verbuchen.

  • 30.05. Burg Waldeck – Festival

    Geschrieben am Juli 9th, 2009 Heinz Keine Kommentare

    Bis zu acht Stunden schwimmen, Anfahrt von drei/vier Stunden, Auf- und Abbau, Soundcheck, Konzerte: es ist für Heinz schwierig, bei einem solchen straffen Zeitplan noch Zeit für das Tagebuch zu finden. Wir bitten um Geduld: die Berichte folgen so schnell wie möglich!!

    Als wir gegen Mittag ankommen, scheinen alle informiert: unser Bus wird mit einem großen Hallo und wir mit dem allerbreitesten Grinsen empfangen. Natürlich erzeugen wir ersteinmal Chaos, als wir unser Riesenequipment auf die Bühne schleifen, aber bald steht alles an seinem Platz, wir lachen mit den netten Veranstaltern und treffen Manfred Maurenbrecher, der bestgelaunt am Hügelgipfel steht. Um 16 Uhr gestalten wir das Nachmittagsprogramm, knapp 300 Zuschauer versammeln sich in dem Zelt. Wir rocken ordentlich ab, sammeln Spenden – und da der Veranstalter unsere Unkosten übernimmt, kommen wir auf insgesamt 892.- Euronen für diesen Tag.

  • 29.05. Kahl – Hanau (18,5km) Main

    Geschrieben am Juli 5th, 2009 dobschat Keine Kommentare

    Bis zu acht Stunden schwimmen, Anfahrt von drei/vier Stunden, Auf- und Abbau, Soundcheck, Konzerte: es ist für Heinz schwierig, bei einem solchen straffen Zeitplan noch Zeit für das Tagebuch zu finden. Wir bitten um Geduld: die Berichte folgen so schnell wie möglich!!

    Flussprojekt: Augsburg


    Daß es so schwer werden würde – wer hätte das gedacht? Bei strahlendstem Sonnenschein brechen wir in Augsburg auf – um gleich in einen Stau hineinzubrettern. So erreichen wir die Kahl-Mündung erst gegen 12 Uhr. Aufgrund eines cholerischen Campingplatzwarts ist es auch schwierig, das Kanu ins Wasser zu lassen – irgendwann ignorieren wir den rotköpfigen Brüllaffen einfach und hinein in die Fluten – na ja, Fluten… der arme Main! Und wir armen Mainwanderer! Nicht nur, daß in Sachen Strömung ein großes Fragezeichen zu setzen ist – es herrscht sogar eine kräftige Gegenströmung, weil ein starker Wind die Flussoberfläche in die entgegengesetzte Richtung drückt. Mein Schwimmen und das Mitpaddeln von Maria, Jana und Linn gestaltet sich als äußerst mühsam. Mir schlagen ständig kleine Wellen ins Gesicht, so daß ich den Oberkörper ungewöhnlich hoch aus dem Wasser heben muß, um mich beim Kraulen nicht zu verschlucken und die Gegenströmung tut ihr übriges: wir kommen kaum voran. Nach einigen erschöpfenden Kilometern sehen wir den Staudinger – ein Kraftwerk von beeindruckender Hässlichkeit, Zielpunkt aller örtlichen Umweltschutzbemühungen, eine Beton gewordene Gleichgültigkeit, Wirtschaftsstandort, Mainwassererhitzer, Punkt und fertig – was hätten Blumenwiesen, Eisvögel und Forellen schon für eine Chance gegen dieses lieblos Zivilisationsornament – und wenn es nur Ornament wäre – aber es ist ja leider nicht nur auf seine Hässlichkeit beschränkt. Immerhin: wenn ich tapfer weiterschwimme, wird auch dieses Monstrum am Horizont verschwinden! Als wollte es mich ärgern, zeigt uns das Schicksal die nächste Abscheulichkeit: drei angelnde Neonazis am Ufer. Daß da ein Hippiekanu mit drei hübschen Ladys und ein durchs Wasser preschender Vermummter vorbeiziehen, übersteigt freilich ihr Auffassungsvermögen. Sie gucken dümmer, als die Fische, die sie fangen wollen.
    Ich stelle fest: der Main ist nicht gerade sauber. Er riecht abwechselnd nach Öl, Klärwerk, Faulgasen. Ich stelle außerdem fest: wir liegen schon knappe zwei Stunden hinter unserem Zeitplan zurück. Ein paar hundert Meter Kanuschleppen, um die große Schleuse herum, zwei Liter Wasser trinken, 4 Tonnen Traubenzucker essen – und weiter geht’s! Wenn ich überhaupt noch eine Chance haben will, pünktlich anzukommen, müssen die eingeplanten Pausen gestrichen werden. Ich schwimme und überlege, wie dieses Industriegewässer wohl mal ausgesehen hat, ich stelle mir ein lustiges Bauernmädchen vor, das aus den dichten Büschen steigt, sich schelmisch den Rock glättet – wir schreiben das Jahr 1809! – und langsam davonläuft – während der dazugehörige Bursche noch dem glucksenden Lachen der Mainwellen lauscht, im Gebüsch wartend, damit die Moral sie nicht beide gleichzeitig erwischt. Ich sehe ihn mir näher an, seltsamer Zufall: er sieht aus wie ich… Das Tuten eines Dampfers und Linns aufgeregtes Winken reißt mich aus allen Träumen. Ach ja, richtig: Main ist nicht mehr, was Main mal war! Sonst wär ich auch sicher schon in Hanau – es ist jetzt 17 Uhr und ich kraule nun schon seid 5 Stunden hier herum. Das Mitpaddeln scheint auch anstrengend: die drei Damen versuchen mich zu überreden, die Schwimmtour abzubrechen – wir wären ja ohnehin hoffnungslos verspätet. Sie haben natürlich recht und sind vernünftig, aber wie immer in solchen Fällen springt mein Dickkopf an und sagt: Nö! – Ich schwimme weiter! Zur Not auch allein, wird schon klappen… Maria und Jana steigen aus, um die Autos zu holen und schon mal für den Soundcheck aufzubauen, und als ich Linn wegen der zu erwartenden Strapazen auffordere, mit den anderen mitzugehen, lacht sie nur und zwinkert mir zu: ich bin eine norddeutsche Lady – mir macht doch so ein bisschen Wind nichts aus!

    Flussprojekt: Hanau

    Beeindruckt von ihrer Energie, kraule ich weiter. Die Arme beschweren sich schon – plötzlich gesellt sich ein Profipaddler dazu und ich werde von zwei Booten eskortiert – schwimme am Hanauer Ölhafen vorbei – lecker! – schwimme und schwimme und träume nun nicht mehr von meiner Lanita in Bauerngewändern 1809, sondern von einem hundertarmigen Schwimmroboter, auf dessen Rücken ich unauffällig sitze. Wie auch immer: der Gegenwind lässt nicht nach, das Tempo nimmt nicht zu: ich erreiche das Olof Palme Haus gegen 20 Uhr 30 – nach 8,5 Stunden Schwimmen. Ich werde mit Trommelwirbel und Applaus begrüßt, schlüpfe rasch unter die Dusche, dann spielen Maria und ich in sehr seltener Besetzung: Percussion, Xylophon, Bass – Reverend Schulz ist unser Gast am heutigen Abend – und der Spendentopf bei knappen 70 Zuschauern ist mit 378.- Euro gut gefüllt.
    Ein spezieller Dank an das Matrax-Team, das die Organisation und die Saalmiete übernahm!

  • 28.05 Galgenbach – Augsburg (16 km) Lech

    Geschrieben am Juni 30th, 2009 Heinz Keine Kommentare

    Bis zu acht Stunden schwimmen, Anfahrt von drei/vier Stunden, Auf- und Abbau, Soundcheck, Konzerte: es ist für Heinz schwierig, bei einem solchen straffen Zeitplan noch Zeit für das Tagebuch zu finden. Wir bitten um Geduld: die Berichte folgen so schnell wie möglich!!

    Flussprojekt: Augsburg

    Autobahnstau läßt uns etwas verspätet ankommen. Am verabredeten Ort eine schöne Überraschung: drei Boote, die uns begleiten wollen, in einem sitzt ein Journalist der Augsburger Allgemeinen, der bereits meine Wanderung für Augsburger Obdachlose vor zwei Wochen dokumentiert hat. Wir gehen ans Wehr und ins Wasser: eiskalt ist der Lech und eine kräftige Strömung greift nach uns, schleift uns mit, zögert nicht, packt zu! Mir ist gleich klar: bei der Temperatur und meinem Resthusten muß ich zügig schwimmen, die Kälte erst gar nicht durchlassen, nicht auf den verführerischen Gedanken kommen, die Strömung für mich arbeiten zu lassen. Wow! Schönes Gefühl! Die Arme sind ausgeruht, die Lunge füllt sich, das Herz bekommt zu tun – wie viel mehr so ein Körper doch zum Schwimmen gemacht ist, als zum Autofahren, welche Lust, nicht daheim zusammengefaltet vor der gebündelten Grauheit eines Computers zu sitzen, sondern dem Körper Auslauf geben, Freiheit geben, Aufgaben… Und: wie schön sauber das Wasser ist! Ich lasse es durch Zähne und Lippen laufen, atme den Flussgeruch, während die vier Kanus um mich herumpaddeln.
    Aber die anfängliche Idylle trügt: der schnelle Lech liegt an der Leine – Wehr um Wehr um Wehr – alle 20 Minuten raus aus dem Wasser, mühselig über große Ufersteine umtragen, wieder rein ins Wasser – acht mal auf eine Strecke von 16 Kilometer – Schade! So ein kraftvoller, schöner Fluss, der braucht doch freien Auslauf!
    Am Eiskanal stoppen wir. Ich bin ziemlich unterkühlt – das Herbeiholen der Autos, Aufladen des Kanus, Umziehen, Verstauen dauert immer endlos! Gegen 18 Uhr kommen wir dann am Abraxas an – etwa 70 Zuschauer warten auf uns. Ein erster Musikerwechsel: statt Claudio spielt nun Maria die Percussion. Die Show ist verrückt und macht großen Spaß, 259..- Euro sind am Ende im Topf.
    Ein ganz herzlicher Dank geht an das Hotel Langemarck für das Zimmersponsoring.

  • 27.05.09 Stuttgart – krank

    Geschrieben am Juni 30th, 2009 Heinz Keine Kommentare

    Bis zu acht Stunden schwimmen, Anfahrt von drei/vier Stunden, Auf- und Abbau, Soundcheck, Konzerte: es ist für Heinz schwierig, bei einem solchen straffen Zeitplan noch Zeit für das Tagebuch zu finden. Wir bitten um Geduld: die Berichte folgen so schnell wie möglich!!

    Flussprojekt: StuttgartAuch hier – ums kurz zu machen – keinerlei Presseresonanz, die Zeitungen kündigen es nicht an, die Radios bleiben stumm. Am Ende des Abends rattern die Zahlen durch meinen Kopf: wir haben rund 500.- Euro Unkosten pro Konzert. Die muß ich zur Not selbst tragen. Überregional spendet keiner. Das heißt: ich stecke bereits tief in den roten Zahlen. Hm. Dann zwitschert das Optimistenherz: wird alles jut, Heinz, warte ab… es kommen ja noch über 40 Konzerte…
    Auf unseren Gast freue ich mich sehr: Heiner Kondschak, Schauspieler, Regisseur und Liedermacher: er gibt ei wunderbares Gastkonzert, wir spielen auch lang – aber die Kulisse ist traurig: 8 Zuschauer! Zwischenzeitlich bringt uns Maison, ein alter Freund, das von ihm gesponserte Flussprojekt-Banner vorbei. Vielen Dank!
    Gesammelte Spenden: 55.- Euro

  • 26.05.09 Bad Münster – krank

    Geschrieben am Juni 29th, 2009 Heinz 1 Kommentar

    Bis zu acht Stunden schwimmen, Anfahrt von drei/vier Stunden, Auf- und Abbau, Soundcheck, Konzerte: es ist für Heinz schwierig, bei einem solchen straffen Zeitplan noch Zeit für das Tagebuch zu finden. Wir bitten um Geduld: die Berichte folgen so schnell wie möglich!!

    Flussprojekt: Bad MünsterDer Wecker klingelt um 8 Uhr. Um fünf nach acht hänge ich bereits am Handy und fahre einen PR-Großangriff, ich schreibe SMS an alle Freunde und Kollegen, mit der Bitte, verstärkt aufs Projekt aufmerksam zu machen, ich telefoniere eine dreiviertel Stunde mit dem BUND in Berlin, um die Pressearbeit neu abzustimmen, wir beschließen, die Meldungen stärker auf die Konzerte als auf das Schwimmen abzustimmen, weitere Anrufe an Radiosender & Zeitungen, ich plane, bitte, schnatter und huste – dann fahren wir nach Bad Münster, wo ich die schöne Nahe zwar nicht beschwimmen darf, aber immerhin daran entlang wandern. Enno begleitet mich. Und vertieft in allerlei philosophische Gespräche durchwandern wir u.a. eines der letzten Rückzugsgebiete der Würfelnatter – einer Wasserschlange, die nebst Gelbbauchunke, Feuersalamander und vielen anderen bedrohten Tierarten hier noch vorkommt. So ungern ich es zugebe: der Arzt hatte recht! Ich hätte das nicht durchgestanden. Schon die 12 km lange Wanderung ermüdet mich – Dauerhusten – Mattigkeit – wurscht! – weiter! – am Kurpavillon angekommen, treffen wir Kenny wieder, der uns schon beim “Lauf gegen die Kälte” sowohl musikalisch, als auch läuferisch begleitete – nun stellt er uns die Tontechnik zur Verfügung, hat den Kontakt hierher geschaffen – vielen Dank! Besonders voll wirds trotzdem nicht, denke ich. Kurort, kleine, heile, bißchen morbide Welt, die von den bessere Zeiten träumt: vor allem aber, aus Erfahrung gesprochen: es dauert immer, bis man eine ins falsche Fahrtwasser abgetriebene Pressearbeit wieder rumgedreht bekommt. Flussprojekt: Bad Münster Ich ahne, was verkehrt läuft: alle konzentrieren sich auf das Schwimmen als eigentliches Ereignis und vernachlässigen darüber das Konzert – oder: sie meinen, da spiele sich wieder mal einer als neuer Jesus Christus auf, oder: halten es nicht für möglich, daß da einer 20 km schwimmt und abends noch Konzerte spielt, oder, am schlimmsten: interessieren sich keinen Pfennig für verschwindende Tierarten und verbaute Flußläufe. Das wäre natürlich fatal und würde das Flussprojekt auf eine tragische Art bestätigen… am wahrscheinlichsten halte ich es aber, daß der ganze Berichterstattungsapparat blitzschnell reagiert, wenn es sich um täglich wiederholte Ereignisse handelt, wie z.B. Morde, Banküberfälle, Amokläufe, Bundesliga, Sexskandälchen oder Kriege – aber unheimlich träge sein kann, wenn etwas in einer neuen Kombination auftaucht. Wie dem auch sei: wir bekommen eine tolle Führung in der Naturstation, werden vom BUND Bad Kreuznach herzlich begrüßt, gehen dann lecker essen, erleben einen der seltenen Tage, an denen sich Enno ein paar Gläschen Wein gönnt und kommen etwas verspätet zu dem bereits wartenden Publikum. Wie befürchtet: von den insgesamt 150 Sitzplätzen sind 20 besetzt, meist Herrschaften über 70, die der Meinung sind, einen Vortrag über “Strom & Wasser” zu hören. Na – über den “Vortrag” haben sie sich jedenfalls gewundert. Wir spielen; Kenny spielt – am Ende haben wir 128.- Euro im Topf.

  • 25.05 Karlsruhe (krank)

    Geschrieben am Juni 17th, 2009 Heinz Keine Kommentare
    25.05 Karlsruhe (krank)
    Am frühen Morgen das strikte „Nein!“ meiner Mitmusiker, als ich laut überlege, doch zu schwimmnen. Es ärgert mich kolossal, wegen des bisschen Hunstens die Schwimmstrecke am Rhein aufzugeben – noch dazu hat sich der erste männliche Mitschwimmer angemeldet – und dann habe ich zu Karlsruhe ja auch einen besonderen Bezug: 4 Jahre habe ich hier gelebt, meine Tochter wurde hier geboren, Strom & Wasser hier gegründet – aber leider ist das Husten nicht nur „ein bisschen“ und der aufgesuchte Arzt stellt eine handfeste Bronchitis fest, erteilt mir eine Woche Schwimmverbot (die ich im Geiste gleich auf drei Tage schrumpfen lasse). Er hat Recht: müde und fiebrig schleppe ich mich durch den heißen Sommertag, verteile ein paar Flyer als Last-minute-Werbung und halte mich nur deshalb einigermaßen wach, weil die Badischen Neusten Nachrichten (einzige Tageszeitung in KA) weder das Projekt, noch das Konzert mit einer Zeile erwähnt haben. Aber dann im großen Stil jammern, daß nichts getan und nichts versucht wird! – Ich kann nicht glauben, daß 250.000 Karlsruher Bürger keinerlei Interesse an ihren Flüssen und ihrer Natur haben – wenigstens zwei Zeilen neben dem Riesenartikel, daß Boris Becker demnächst wieder zu heiraten gedenkt – na, egal! Jess Jochimsen, unser Gast an diesem Abend, beruhigt mich, um sich dann gleich selbst darüber aufzuregen, ebenso der Mannheimer Kulturknall, ebenso das Jubez-Team – aber was hilft es? Immerhin verhindert die Internetwerbung einen erneuten Totalreinfall: etwa 60 Zuschauer finden sich ein und bekommen vom Mannheimer Kulturknall, von Jess Jochimsen und uns einen bunten Kabarett- und Musikabend präsentiert. Beim „Lauf gegen die Kälte“ war Karlsruhe mit 1.800.- gesammelten Euro eine der erfolgreichsten Stationen.
    Diesmal nur 330.- Euro Spenden. Ein herzlicher Dank für weitere 200.- Euro des Sozialbürgermeisters Danneken und Dank auch an das Renaissance-Hotel für das Zimmersponsoring.

    Am frühen Morgen das strikte „Nein!“ meiner Mitmusiker, als ich laut überlege, doch zu schwimmnen. Es ärgert mich kolossal, wegen des bisschen Hunstens die Schwimmstrecke am Rhein aufzugeben – noch dazu hat sich der erste männliche Mitschwimmer angemeldet – und dann habe ich zu Karlsruhe ja auch einen besonderen Bezug: 4 Jahre habe ich hier gelebt, meine Tochter wurde hier geboren, Strom & Wasser hier gegründet – aber leider ist das Husten nicht nur „ein bisschen“ und der aufgesuchte Arzt stellt eine handfeste Bronchitis fest, erteilt mir eine Woche Schwimmverbot (die ich im Geiste gleich auf drei Tage schrumpfen lasse). Er hat Recht: müde und fiebrig schleppe ich mich durch den heißen Sommertag, verteile ein paar Flyer als Last-minute-Werbung und halte mich nur deshalb einigermaßen wach, weil die Badischen Neusten Nachrichten (einzige Tageszeitung in KA) weder das Projekt, noch das Konzert mit einer Zeile erwähnt haben. Aber dann im großen Stil jammern, daß nichts getan und nichts versucht wird! – Ich kann nicht glauben, daß 250.000 Karlsruher Bürger keinerlei Interesse an ihren Flüssen und ihrer Natur haben – wenigstens zwei Zeilen neben dem Riesenartikel, daß Boris Becker demnächst wieder zu heiraten gedenkt – na, egal! Jess Jochimsen, unser Gast an diesem Abend, beruhigt mich, um sich dann gleich selbst darüber aufzuregen, ebenso der Mannheimer Kulturknall, ebenso das Jubez-Team – aber was hilft es? Immerhin verhindert die Internetwerbung einen erneuten Totalreinfall: etwa 60 Zuschauer finden sich ein und bekommen vom Mannheimer Kulturknall, von Jess Jochimsen und uns einen bunten Kabarett- und Musikabend präsentiert. Beim „Lauf gegen die Kälte“ war Karlsruhe mit 1.800.- gesammelten Euro eine der erfolgreichsten Stationen.

    Diesmal nur 330.- Euro Spenden. Ein herzlicher Dank für weitere 200.- Euro des Sozialbürgermeisters Danneken und Dank auch an das Renaissance-Hotel für das Zimmersponsoring.